Leben mit der Krise: Genussverzicht?

Ja, das Schlimmste der Finanzkrise scheint überstanden, die Kauflust der Deutschen klettert wieder langsam hoch. Dennoch gibt es langfristige Schäden, die wohl auch noch in nächster Zeit die bundespolitische Debatte mitgestalten werden. In Zeiten von Hartz 4 und leeren Haushaltskassen stellt sich immer öfter die Frage: Wie bemerken die Deutschen eigentlich die Krise? Die Finanzkrise gestaltete sich ja schließlich nicht nur als Problem der Bankenbranche, sondern macht sich im persönlichen Umfeld von jedem bemerkbar.

Dennis (23, Physikstudent) meint dazu: „Durch die Finanzkrise hab ich meinen 400-Euro-Job verloren. Jetzt habe ich zwar mehr Zeit für mein Studium, aber muss mich ständig mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Letztes Jahr habe ich mein Snowboard verkaufen müssen.“

Weiterhin klagt Sabine (34, Mutter  von drei Kindern): „Auch bei den Lebensmitteln muss man genau darauf achten, wofür man sein Geld ausgibt. Kaffee aus dem hauseigenen Kaffeevollautomaten ist in meinen Augen heute echter Luxus.

Dennoch gibt es überraschenderweise auch positive News:

Marina (18, Schülerin): „Ich hatte Ewigkeiten auf mein Auto gespart und habe dank Abwrackprämie ein echtes Schnäppchen machen können.“

Und auch Sven (38, Schreiner) freut sich: „Mein Zigarettenkonsum schien über die Jahre hinweg immer schlimmer zu werden. Eine Schachtel am Tag war keine Seltenheit. Als ich im Zuge der Finanzkrise meinen Job verlor, fing ich an, meinen Zigarettenkonsum einmal aufzurechnen. Einmal auf das Jahr berechnet, stellte ich entsetzt fest: Ich hätte mir wirklich einen Urlaub von dem vergeudeten Geld leisten können! Seitdem rauche ich eigentlich kaum noch, weil es mir schlichtweg zu teuer ist. Ich weiß nicht, ob ich das ohne die Finanzkrise jemals angegangen wäre.“

Man muss schon kurz die Luft anhalten, wenn man liest, dass alltägliche Dinge von früher plötzlich zu Luxusartikeln werden, wie beispielsweise Kaffee oder wöchentliche Besuch im Stammlokal. Die Löcher in den Haushaltskassen können erst nach und nach wieder aufgefüllt werden – natürlich nimmt das eine gewisse Zeitspannen in Anspruch. Dennoch sollte man sich gewisse Glücksmomente bewahren: So ist es Vielen lieber, ein paar Kleider per Online-Aktion zu verscherbeln, als den hauseigenen Kaffeevollautomaten herzugeben. Auf was man verzichtet, ist natürlich individuell ganz verschieden ausgeprägt.